Die Mobilisierung zum revolutionären 1. Mai läuft in Stuttgart schon seit einigen Wochen auf Hochtouren. Es wurde fleißig geflyert, plakatiert, gemalt und einige Mobivideos veröffentlicht.

Um nochmal eine breite Öffentlichkeit auf die Aktionen am 1. Mai aufmerksam zu machen fand am heutigen Samstag (28.4.18) eine Kundgebung mit anschließender Stadtralley statt. Bei bestem Wetter fanden sich 50 TeilnehmerInnen an der Stadtmitte ein.

Anschließend an die Kundgebung machten sich über 30 AktivistInnen auf, um an verschiedenen Stationen auf die politischen Kampffelder und Themen aufmerksam zu machen, zu denen in Stuttgart unter anderem aktuell gearbeitet wird und die Teil des Aufrufes zum 1. Mai sind: „Verantwortung übernehmen, Rechtsruck zerschlagen, Kriege sabotieren!“ 

Erste Station:

AntimilitaristInnen machten durch eine Spontankundgebung und Plakatieraktion am Stuttgarter Rathaus auf die am zweiten Maiwochenende stattfindende Rüstungsmesse ITEC aufmerksam. Auf der ITEC verkaufen über hundert Rüstungsunternehmen Software und High-Tech an internationales Fachpublikum. Das Morden auf den Schlachtfeldern dieser Welt kann damit detailgetreu simuliert und einstudiert werden. Das Rathaus wurde heute markiert, da Verwaltung der selbstgenannten „Friedensstadt“ Stuttgart ihr Einverständnis zur Ausrichtung der Messe gab.

Zweite Station:

Am Stuttgarter Landtag wateten AntifaschistInnen durch den Eckensee und stellten ein dreidimensionales Transparent mit der Aufschrift „NSU bekämpfen = Verfassungsschutz abschaffen“ auf. Der NSU mordete sich von 1998 bis 2011 13 Jahre lang ungehindert durch die gesamte Bundesrepublik. Die grausame Bilanz: Neun rassistische Morde an MigrantInnen, die Exekution einer Polizistin, drei Bombenanschläge und 14 Raubüberfälle. In Baden-Württemberg wurde bereits der zweite Untersuchungsausschuss zum NSU-Komplex ergebnislos beendet. Die Untersuchungsausschüsse haben, ebenso wie der laufende NSU-Prozess, keine der wichtigen Fragen, die sich uns heute stellen, beantworten können.

 

Dritte Station:

Neben dem Shoppingpalast Milaneo, in der „Cloud N°7“, findet sich eines der Sinnbilder sozialer Ungleichheit: die teuersten Luxuswohnungen Deutschlands. Während der Normalbürger kaum noch bezahlbaren Wohnraum findet, wird statt in Sozialenwohnungsbau in Prunkbauten für Banker und Manager investiert. Die Ralley-TeilnehmerInnen prangerten bei einer Spontankundgebung vor dem belebten Kosumtempel diesen Missstand an und versperrten den Eingang der „Cloud N°7“ mit einer gebastelten Mauer, die mit der Parole „Bonzenbunker enteigenen“ besprüht war.

Höhepunkt des Tages ist eine Besetzung von zwei leerstehenden Wohnungen in Stuttgart-Heslach. Nach einer Kundgebung unter dem Motto „Leerstand, Mietenwahnsinn und Verdrängung stoppen“ auf dem Erwin-Schöttle-Platz machten sich AktivistInnen auf in die Wilhelm-Raabe-Straße. Auf dem Weg wurde gleich einiges an Mobiliar mitgetragen. Zeitgleich zu der Besetzung wurde aus dem Haus ein großes Transparent gehängt mit der Aufschrift „Besetzt: Leerstand beleben“. In dem Gebäude stehen seit längerem mehrere Wohnungen leer, wie rund 11000 weitere in Stuttgart. Und das, obwohl in Stuttgart leistbarer Wohnraum Mangelware ist. Ab heute werden in der Wohnung zwei Familien mit ihren Kindern leben, die auf dem miesen Wohnungsmarkt in Stuttgart keine Chance auf eine würdige Wohnsituation haben. Mit der Besetzung, soll ein Zeichen gesetzt werden, dass wir in unserer Stadt ein Recht auf menschenwürdiges und bezahlbaren Wohnen erstreiten wollen. Über den Verlauf der Besetzung wird aktuell berichtet. Hier schon einmal der Kurzbericht.

In Stuttgart geht nun ein ereignisreicher und auch erfolgreicher Tag zu Ende. Wir konnten an einigen Orten auf unsere politischen Anliegen und Themen aufmerksam machen. Für uns ist der 1. Mai eine Gelegenheit die verschiedenen Kämpfe zusammen zu führen und zu zeigen, dass sie nicht isoliert zu einander stehen. Nur eine Umwälzung des System macht eine solidarische Gesellschaft frei von Kriegen, Rassismus und Armut möglich. Seit über 120 Jahren gehen am internationalen ArbeiterInnenkampftag Millionen Menschen dafür auf die Straße. Und auch in diesem Jahr werden wir wieder kämpferisch den 1. Mai begehen.

Kommt zu den Aktionen am ArbeiterInnenkampftag! Heraus zum revolutionären 1. Mai!

09:30 Uhr Marienplatz – Antikapitalistischer Block auf der Gewerkschaftsdemo

11:30 Uhr Schlossplatz – Revolutionäre Demo